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Lebenstraum Auswandern: Karriere in der Karibik

„Good bye Deutschland“, „Mein neues Leben“, „Auf und davon“ – immer mehr Deutsche suchen ihr Glück in der Ferne. Die Sehnsucht nach einem besseren Leben ist groß, die Verheißungen exotischer Gestade locken Glücksritter, Aussteiger, aber auch solide Geschäftsleute. Dabei liegen Traum und Albtraum nur allzu oft nah beieinander.

Kathrin und ihr Mann Stefan
Haben ihr Glück in der Ferne gefunden: Kathrin und Stefan Koole

Eine, die es geschafft hat, ist Kathrin Koole aus Berlin. Gemeinsam mit ihrem holländischen Ehemann Stefan leitet sie die Tauchbasis Scuba Do in Curaçao, die in diesem Jahr von den Lesern der Zeitschrift "Tauchen" zur besten Tauchschule der Karibik gekürt wurde. Wie ist das Leben unter Palmen? Wann wird aus Fernweh Heimweh? Ist der Traum wahr geworden? Karibik-Magazin.com hat nachgefragt.

Wie sind Sie nach Curaçao gekommen?

KK: Über Umwege! 2003 bin ich zum Tauchen auf die Malediven gereist. Im Tauchcenter arbeitete ein sehr netter Holländer. Wir haben uns erst unter Wasser getroffen, dann am Strand … Im Dezember desselben Jahres haben wir geheiratet. Wir wollten gemeinsam etwas Neues beginnen und sind auf die Suche nach einer eigenen Tauchschule gegangen. Für dieses Unterfangen hatten wir einen Reiseplan zusammengestellt: Karibik, Thailand, Indonesien und Philippinen. Unsere erste Station war Curaçao – gleich ein Volltreffer! Aber wir wollten unsere Reise nicht abbrechen und erst einmal sehen, was der Rest der Welt so zu bieten hat. Trotzdem ist es bei Curaçao geblieben. Im November 2005 sind wir mit Sack und Pack und einem großen Container ausgewandert.

Curaçao: Klein-Holland in der Karibik

Wie ist es, dort zu leben, wo andere Urlaub machen?

KK: Leider kein Urlaub! Arbeiten muss man hier genauso wie zuhause in Deutschland. Als selbständige arbeiten wir sehr hart, um unsere Brötchen zu verdienen. Allerdings steht man jeden morgen mit Sonnenschein auf und man kann in seinen freien Sunden das Urlaubsgefühl am Strand genießen.

War die Eingewöhnung schwierig?

KK: Für mich war am schwierigsten, damit zu Recht zukommen, dass ich nicht morgens mit einer Liste von zehn Dingen, die erledigt werden müssen, den Tag beginne und am Ende alles abgearbeitet ist. Zack, Zack – so war ich das zuhause gewöhnt. Aber hier funktioniert das nicht. Die erste Zeit war ich deswegen ziemlich deprimiert. Inzwischen habe ich gelernt, mir weniger vorzunehmen. Das Tempo ist eben karibisch, daran muss man sich gewöhnen. Außerdem hat mir die Dauerhitze zu schaffen gemacht. Aber auch damit lernt man umzugehen, und wenn es nur bedeutet, dass man sich in der heißen Zeit des Tages nicht gerade ins Getümmel stürzt, sondern in klimatisierten Räumen bleibt.

Kathrins Arbeitsplatz

Machen sich kulturelle Unterschiede stark bemerkbar?

KK: Die einheimische Sprache (Papiamento – A.d.R) ist sehr arm an Höflichkeitsfloskeln, dadurch wirkt es manchmal etwas schroff. Ist aber nicht so gemeint, und wenn man das weiß, macht es einem nichts mehr aus. Und Verabredungen sind sehr dehnbar. „Ich komme morgens“ heißt zwischen 8 und 12 Uhr oder vielleicht auch gar nicht. Na, und die meisten Geschäfte haben von 12-14 Uhr zu! Das gibt’s ja bei uns gar nicht mehr – Mittagspause!

Vermissen Sie Deutschland manchmal?

KK: Ja klar, es wäre gelogen, das nicht zuzugeben. Aber eher der Familie und der Freunde wegen. Sicher kann man mit der modernen Kommunikationstechnik gut in Kontakt bleiben, aber es ist halt doch recht weit weg. Obwohl das eine mentale Sache ist, denn eigentlich kann man sehr schnell in Deutschland sein, wenn es sein muss. Sind doch nur neun Stunden Flug. Und dann genieße ich es auch, wenn ich mal wieder in Deutschland so richtig schön shoppen gehen kann… Ach ja, manchmal vermisse ich das kühle Wetter.

Wie feiern Sie Weihnachten in der Karibik?

KK: Das erste Jahr eigentlich gar nicht, was mich sehr traurig gestimmt hat. Ich habe  das richtig vermisst. Man muss erst einmal lernen, auch bei 30 Grad und Sonnenschein weihnachtliche Gefühle zu entwickeln. Da hilft Besuch aus der Heimat. Im zweiten Jahr habe ich einen völlig überteuerten Tannenbaum aus den USA gekauft und geschmückt und Lichterketten am Haus aufgehängt. Aber das richtige weihnachtliche Gefühl ist dennoch nicht aufgekommen.

Hat sich Ihr Traum vom Auswandern erfüllt, und was raten Sie anderen, die es Ihnen gleichtun wollen?

KK: Mein persönlicher Traum hat sich erfüllt! Wichtig ist, dass man bei all der Sonne und Palmen doch realistisch bleibt und sich im Klaren ist, dass Auswandern und sich ein neues Zuhause aufbauen auch harte Arbeit bedeutet - körperlich wie
seelisch. Aber wenn man es geschafft hat, ist es die Arbeit wert gewesen. Allen, die auch davon träumen, ihr Leben unter Palmen fortzusetzen, kann ich neben dem notwerndigen Realismus nur raten, vorher unbedingt das Land der Träume mit einer Checkliste von Dingen, die für einen perönlich unabdingbar sind, zu besuchen. Das bedeutet, sein aktuelles eigenes Leben gut zu beleuchten und ehrlich für sich zu entscheiden, worauf man verzichten könnte.

Inzwischen sind Sie ja Experte: Was sollte man in Curaçao auf jeden Fall gesehen haben?

KK: Natürlich die Unterwasserwelt! Man sollte sich auch Zeit für die Kultur nehmen und nicht nur Strand und Sonne genießen. Das würde der Insel bei weitem nicht gerecht werden. Und unbedingt einmal mit Delfinen schwimmen, auch wenn es nicht ganz billig ist!

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