Versunkene Wracks üben eine außergewöhnliche Faszination aus. Oft sind die Wracks zu „neuem Leben“ erwacht und bieten Meeresbewohnern eine einzigartige Umwelt. Natürlich auch in der Karibik, wo die zahlreichen Korallenriffe so manchem Handelsschiff zum Verhängnis wurden.
Auch der spanischen Galleone „El Buen Consejo“. Das Schiff war gerade auf dem Weg zu den Philippinen. 52 Franziskanermönche befanden sich an Bord und sollten die Inseln missionieren. Im Gepäck hatten sie eine Unmenge von Bronzedevotionalien. Doch „El Buen Consejo“ erreichte die Neue Welt nie, sondern sank 1772 vor Anguilla. Heute werden begleitete Tauchtouren zum Wrack im Nordosten der Insel angeboten. Vier weitere Wracks wurden in den neunziger Jahren sogar vorsätzlich um Anguilla versenkt. Dies geschah im Rahmen eines ökologischen Sonderprogrammes zur Erhaltung der Meeres-Fauna und Flora. Auch auf Barbados griff man zu dieser Methode und versenkte die griechische Stavronikita.
Rund um Barbuda dürften solche Maßnahmen überflüssig sein. Denn vor der kleinen Schwesterinsel von Antigua werden über 120, teilweise noch unerforschte Schiffswracks vermutet. Da diese jedoch oft in gefährlichen Gewässern liegen, sollte deren Erkundung nie ohne Profis aus einer Tauchschule vor Ort erfolgen. Auch der Westen Antiguas hat einiges zu bieten. Beispielsweise den gut erhaltenen Dreimaster „Andes“, der 1905 in Deep Bay sank.
Vor Grenada hingegen finden sich Zeugnisse jüngerer Zeit. So lief 2001 die „Shakem“ vor der Gewürzinsel auf Grund. Der Zementfrachter war auf seiner letzten Reise von Trinidad nach Grenada unterwegs. Da er überladen war, geriet er in Schieflage, lief voll Wasser und sank auf eine Tiefe von 33 Metern. Alle Besatzungsmitglieder konnten gerettet werden. Eine weitere Attraktion bietet Grenada mit dem Flagschiff „Bianca C“. Das 200 Meter lange Kreuzfahrtschiff ging 1961 nach einem Brand unter. Der ehemalige Pool in 38 Metern unter der Oberfläche ist wohl der tiefste Swimmingpool der Welt.
Im Tauchgebiet des kubanischen Varadero finden sich nicht nur versunkene Schiffe, sondern auch Flugzeuge. Eine ausgemusterte Passagiermaschine liegt z.B. auf 15 Meter Tiefe, während die Yacht Coral Nero und eine 102 Meter lange Fregatte fast doppelt so tief auf Taucher warten. Wracks der berühmten Spanischen Flotte von Admiral Cervera können in den Gewässern um Santiago de Cuba besichtigt werden.
Von einer gewaltigen Naturkatastrophe zeugen 15 Schiffsüberreste in der Bucht von Saint Pierre auf Martinique. Sie wurden beim Untergang der ehemaligen Hauptstadt Saint Pierre versenkt, als 1902 der Ausbruch des Vulkans Mont Pelée Stadt und Hafen unter seiner Asche begrub.
Zu den größten „tauchbaren“ Wracks der Karibik gehört der deutsche Frachter Antilla vor Aruba. Er wurde 1941 während des zweiten Weltkriegs von seinem Kapitän versenkt. Unvorstellbare Goldmengen werden in den Gewässern um die Bahamas vermutet. So soll eine untergegangene Flotte von 15 Schiffen vor Great Inagua große Schätze geladen haben. Und auch um die 1694 gesunkene Santa Cruz ranken sich Gerüchte: Sie habe Gold im Wert von rund drei Millionen Dollar an Bord gehabt. Die Wracks konnten bis heute nicht gefunden werden. Leicht zu finden sind dagegen die „Hollywood Wracks“, die rund um Nassau von der Tauchbasis Stuart Cove’s versenk wurden, u.a. Flugzeuge aus "Thunderball" und "Sag niemals nie".